Tipps rund um den Umzug

Umziehen ohne Kraftfahrzeug – bei kleinen Hausständen und Entfernungen durchaus möglich

20. Juni 2018

Ziehen Sie bald von einer 1-Raum-Wohnung in ein neues, schnuckelig-kleines Appartement – oder siedeln Sie von ihrem alten WG-Zimmer in eine neue Wohngemeinschaft um? Insbesondere Studenten oder Alleinlebende kommen oft mit wenig Hausrat und wenigen Möbeln aus. Auch Mieter auf Zeit umgeben sich in ihrer Wohnung häufig nur mit dem Nötigsten, mit Kleidung und einigen persönlichen Utensilien. Denn sie haben andernorts einen Hauptwohnsitz und Lebensmittelpunkt, zu dem sie am Wochenende heimpendeln.

Alle diese mobilen Menschen können einen Umzug teils mit ein, zwei PKW-Ladungen bewältigen – oder sogar ganz ohne Auto oder Transporter! Es gibt auch Umzügler, die aus ideellen oder finanziellen Gründen kein Auto fahren – und auch zum Umzug keines benutzen möchten. Zudem haben einige Umziehende keinen Führerschein und finden für den Umzugstag keinen Helfer mit Fahrerlaubnis, der Zeit hat.

Voraussetzung für das Umziehen ohne Auto ist, dass das gesamte Umzugsgut in kleine Einheiten zerlegt beziehungsweise verpackt werden kann. Die Anzahl von Bettgestellen, großen Möbelteilen und ähnlich Sperrigem sollte überschaubar sein. Vielleicht haben Sie die wenigen großen Umzugsteile ja auch schon einige Tage vorher, wenn dann gerade ein Auto mit Fahrer zur Verfügung stand, ins neue Zuhause gebracht.

Ein Umzug ohne Auto ist oft einfacher als gedacht. Nicht nur, wenn die neue WG ein oder zwei Stockwerke tiefer liegt…, sondern auch bei Entfernungen von einigen Straßenblocks!

Hier finden Sie Beispiele aus der Praxis:

Sack- oder Schubkarre: die Karawane zieht los

Sie können bei fußläufigen Distanzen in die neue Heimat eine überschaubare Menge Umzugsgut per pedes befördern: Mobilisieren Sie viele Helfer und leihen Sie sich fast ebenso viele Karren. Auf robuste Sackkarren passen meist drei bis vier Umzugskartons. Die Sackkarren sollten möglichst große Räder und keine Hartgummireifen haben, damit sie einfach über mehrere hundert Meter geschoben werden können.

Sogar Schrank, Lattenrost oder Zimmerpalme können Sie per Sackkarre transportieren. Bitte denken Sie immer daran, die Ladung durch Gurte gegen Umfallen zu sichern. Und wenn Ihre Wetter-App nicht 100%ig sicher ist, dass es trocken bleibt – dann sollte empfindliches Umzugsgut mit Folien vor einem eventuellen Regenschauer geschützt werden.

Die Schubkarre von Freunden oder Eltern kann ebenso eingesetzt werden wie ein Transportkorb mit Rollen oder ein großer Handkarren: Vielleicht arbeiten Sie in einer Firma, in der diese in großer Zahl im Lager genutzt werden? Wenn Ihr Chef oder Ihre Chefin anderen Kollegen mal den Firmen-Lieferwagen zum Umziehen ausleiht, dürfen Sie vielleicht übers Wochenende einen Rollkorb ausleihen?

Und die Kinder? Die dürfen Ihr Lieblingsspielzeug mit Bollerwagen & Co. an den Zielort bringen – selbstverständlich mit der Hilfe eines Erwachsenen.

Auch ein ausrangierter Einkaufswagen kann wertvolle Dienste leisten

Vielleicht kennen Sie jemanden, der einen Supermarkt leitet? Besonders praktisch sind die Modelle mit einer tiefliegenden Lagerfläche, die oft in Bau- oder Getränkemärkten eingesetzt werden. Der niedrige Schwerpunkt erleichtert die Handhabung und reduziert die Um- und Unfallgefahr. Bis zu sechs Umzugskartons oder ein mittelgroßes Möbelstück passen auf diese Gefährte.

Für den Umzug über kurze Distanzen eignen sich weiterhin Möbelrollbretter, die so genannten „Hunde“. Die erhalten Sie günstig im Baumarkt oder online. Ein geübter Handwerker baut Sie sich aus einer robusten Sperrholzplatte und vier Rollen in der gewünschten Größe einfach selbst. Mindestens zwei Rollen sollten sich in ihrer Halterung drehen können, damit das Lenken leichtfällt.

Wenn ein Umzugshelfer die Ladung festhält, der andere schiebt, können mit dem Hund gut einige Hundert Meter zurückgelegt werden. Das funktioniert am besten, wenn Bürgersteig oder Fußweg nicht allzu holperig sind. Bitte überzeugen Sie sich kurz vor dem Umziehen davon.

Transporträder – einfach mieten

Mit diesen Rädern ziehen Sie kräfteschonend und umweltfreundlich um. Zudem tun Sie oder Ihre Umzugshelfer noch etwas für die Fitness, ohne den Rücken durch langes Tragen zu sehr zu belasten. In die große Transportbox der oft dreirädrigen Gefährte passen in der Regel zwei kleine Umzugskartons. Auch ein bis zwei Kleinmöbel oder Kleidersäcke finden Platz. Wenn Ihr altes und neues Domizil nur wenige Kilometer auseinander liegen, ist es durchaus praktikabel, mehrfach hin- und herzufahren. Diese robusten Räder gibt es auch mit elektrischer Unterstützung!

Sie brauchen sie aber nicht zu kaufen. Spezialisierte Händler in vielen Großstädten bieten die Lasten-Drahtesel zur Miete an. Zudem finden Sie einen Überblick über kostenfreies oder günstiges Sharing- und andere Lastenrad-Infos im Forum Freie Lastenräder: Dein-Lastenrad.de.

Viele Initiativen werden von den Kommunen oder vom ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club e.V.) gefördert – wie zum Beispiel in Essen das Essener Lastenrad 

In besonders innovativen Städten können Sie die Transporträder sogar über eine praktische App an vielen Verleihstellen buchen, abholen und (gegebenenfalls an einer anderen Station) wieder abstellen. TINK, die Transportrad Initiative Nachhaltiger Kommunen, wird vom Bundesministerium für Verkehr und Digitale Infrastruktur gefördert: zum Beispiel in der Kooperation mit Nextbike in Norderstedt, der fünftgrößten Stadt Schleswig-Holsteins, die im grünen Hamburger „Speckgürtel“ liegt – oder in der Universitätsstadt Konstanz am Bodensee.

Tipp: Am Anfang ist das Fahren mit den Transporträdern gewöhnungsbedürftig: Aber nach einer kurzen Übungs-„Leerfahrt“ fühlen Sie sicher fit, auch mit Ladung sicher zu manövrieren. Wenn Sie zwischen Modellen mit zwei oder drei Rädern wählen können, sind die robusten dreirädrigen Exemplare zu empfehlen. Sie können zwar auch kippen, aber nur wenn der Fahrer rasend schnell in die Kurve fährt oder besonders unachtsam ist. Dreirädrige Transporträder erlauben in der Regel auch eine höhere Zuladung – zum Beispiel 100 bis zu 160 Kilogramm.

Bitte achten Sie beim Beladen die Breite und Länge inklusive überstehender Ladung

Längere Möbelteile oder Lampen sollten zum Beispiel nicht auf die Ränder des Transportkorbs gelegt werden. Sie könnten damit zum Beispiel an einem Laternenpfeiler hängenbleiben oder, noch schlimmer, Fußgänger oder andere Radfahrer verletzen. Wenn langes Umzugsgut im Transportkorb steht, kann es wiederum schwer gegen Umfallen gesichert werden. Denken Sie beim Verstauen und eventuellen „Vertäuen“ an die physikalischen Kräfte, die zum Beispiel entstehen, wenn sie um die Kurve fahren oder das Transportrad abbremsen.

Häufig sind die Transportkörbe oder Ladenflächen nur 60-80 Zentimeter breit, aber 1-1,20 Meter lang: Dann könnten Sie mittellange Möbelstücke, mit Gurten gesichert, in Fahrtrichtung platzieren. Bitte beachten Sie die im Vergleich zum normalen Fahrrad größeren Dimensionen, damit Sie sich selbst, andere Verkehrsteilnehmer und Umzugshelfer sowie das Umzugsgut nicht gefährden.

 

Haben Sie noch weitere Ideen oder Erfahrungen, wie Menschen effizient und umweltschonend ohne Auto umziehen können?

Wir freuen uns auf Ihre Anregungen!

 

 

Quelle der Fotos ist: © TINK.bike / Marco Walter

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