Tipps rund um den Umzug

Ruhe bitte! Aber ein Umzug macht immer Lärm. Was tun?

12. Februar 2018

Stimmen erklingen; schwere Schritte hallen durchs Treppenhaus, wenn die Umzugskartons hochgetragen werden; Türen klappern. Hinzu kommt das Rücken der Schränke oder anderer schwerer Gegenstände. Das Bohren von Löchern in der Wand, für Dübel & Co. Um Lampen und Regale anzubringen… Ist das alles geschafft, steigt auch noch die Einweihungsparty: mit vielen Gästen, dem Anstoßen auf den gelungenen Umzug – und vielleicht auch mit Musik, Tanz und lautem Gelächter…

Und was sagen die neuen Nachbarn dazu?

Vielleicht sind sie gar nicht begeistert. Möglicherweise müssen Ihre Mitbewohner im Mietshaus, oder auch die andere Partei in der gemieteten Doppelhaushälfte, morgens früh raus. Viele angestammte Mieter oder Eigentümer reagieren auch, wie viele Menschen, Neuem oder „Neuen“ gegenüber erst einmal mit vorsichtiger Ablehnung. Oder die Nachbarn im neuen Reihenhaus haben kleine Kinder, die mittags schlafen oder abends leicht durch Geräusche wach werden und weinen… manche Nachbarn benötigen auch tagsüber dringend ihren Schlaf, weil sie am Wochenende Spätschicht haben oder Nachtschicht hatten.

Bitte denken Sie daran, wenn Sie in Ihrer neuen Bleibe einziehen:

Natürlich haben Sie mit Ihrem Umzug, mit Ihrer (neuen) Arbeit, mit Studium oder anderem auch Stress. Da können Sie nicht an alles denken. Aber möglicherweise haben Ihre neuen Nachbarn, auch wenn diese schon lange dort wohnen, vielleicht auch gerade Stress? Eventuell steht eine Prüfung bevor, jemand ist krank oder leidet ohnehin schon unter Schlafstörungen. Manche Menschen sind auch einfach lärmempfindlicher, oder sind häufig zuhause und achten mehr auf Störungen. Vielleicht haben Sie bisher in einem Szeneviertel in einer „Party-WG“ gewohnt, in der niemand über laute Musik oder späte Feiern geklagt hat. Nun möchten Sie und Ihr Partner zusammenziehen, möglicherweise eine Familie gründen… und ziehen in einen gutbürgerlichen Vorort, mit vielen Familien oder älteren Ehepaaren in der Nachbarschaft. Die sehen das vielleicht anders als die früheren Nachbarn aus der Studentenzeit…

Grundsätzlich gilt bei jedem Umzug, ihn vorher bei den Mitbewohnern im Mietshaus, auch bei den Nachbarn in einer Einfamilienhaus-Gegend ankündigen! Solche Verhaltensweisen werden übrigens explizit in vielen Lärmschutzverordnungen der Bundesländer oder Kommunen gefordert: Rücksichtnahme und ein partnerschaftliches Miteinander. Dann braucht es gar nicht so viele starre Regeln. Und falls doch: Laut Bundesgerichtshof (BGH V ZB 11/98) und der Rechtssprechungspraxis gelten Ruhezeiten von 13 bis 15 Uhr sowie Montag bis Freitag von 20-7 Uhr (samstags von 19 Uhr bis 8 Uhr morgens). An Sonntagen und gesetzlichen Feiertagen wie Ostermontag, Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Deutschen Einheit, Erstem und Zweitem Weihnachtstag, Neujahr und so weiter gelten die Ruhezeiten durchgehend. Bei Umzügen wird dies, weil es einmalige, besondere Anlässe sind, in der Regel jedoch nicht so streng ausgelegt.

Um mit einem guten Gefühl umzuziehen und nicht gleich Ärger mit Nachbarn, Vermieter (oder gar Ordnungsamt oder Polizei) zu bekommen, empfehlen sich diese Top 3 zum „ruhigen“ Umziehen:

1. Information und Kommunikation

Vorab bei den Nachbarn vorstellen und sie (möglichst persönlich) über Ihren baldigen Umzug informieren. Oder notfalls, wenn das zeitlich nicht geht, mit einem netten Aushang im Treppenhaus, einem Wurfzettel in den Briefkästen der Nachbarn. Dabei auch gleich freundlich formulieren, dass Sie sich schon jetzt für eventuelle, kurze „Ruhestörungen“ entschuldigen. Dann haben die meisten Mitmenschen Verständnis für einen nicht ganz leisen Umzugstag (auch an Samstagen oder gar Sonntagen). Denn schließlich ist fast jeder Mensch schon einmal umgezogen und weiß, dass dies nicht ganz leise abgehen kann. Bei der Gelegenheit können Sie auch gleich auf eine eventuelle Park- und Halteverbotszone hinweisen, die Sie für Ihren Kastenwagen einrichten lassen.

Fragen Sie die künftigen Nachbarn auch, ob es bestimmte Zeiten gibt, an denen bei allem Verständnis trotzdem absolute Ruhe gewünscht ist. Und hinterlassen Sie Ihre Handynummer, damit die Angesprochenen sich notfalls melden können, wenn es ihnen doch zu laut wird. Suchen Sie immer das persönliche Gespräch, BEVOR es zu Beschwerden beim Vermieter oder gar einer Anzeige bei der Polizei kommt… Denken Sie trotz allem Umzugsstress auch daran, dass Sie mit den lieben Menschen in der neuen Nachbarschaft wahrscheinlich die nächsten Monate und Jahren gut auskommen müssen!

2. Rücksichtnahme und Toleranz

Natürlich können Sie Ihr Konzertpiano oder auch einen normalen Bücherkarton nicht immer leise das Altbau-Treppenhaus hinaufbefördern. Aber trotzdem ist es möglich, Lärm zu vermeiden: Bitten Sie Ihre Umzugshelfer darum, nicht allzu laut zu rufen. Achten Sie darauf, beim Hoch- oder Hineintragen nicht ständig an Ecken und Wände gestoßen wird (oder gar an die Haustür der Nachbarn).

In dem Sie schwere Gegenstände mit ausreichend Umzugshelfern tragen, oder große Möbelstücke vorab sorgfältig zerlegen, lässt sich das ein oder andere Transportgeräusch vermeiden! Auch nach dem Umziehen wird Rücksicht genommen – zum Beispiel beim Bohren, Hämmern oder Party machen. Beachten Sie dabei oben genannte Ruhezeiten!

3. Technik und Lärmvermeidung

Wenn Sie in eine Wohnung ziehen, deren Fußboden aus knorrigen alten Holzdielen besteht, hören die Mitmenschen (insbesondere die Nachbarn direkt unter Ihrem neuen Zuhause) jeden Tritt wie einen Hammerschlag. Sorgen Sie für Trittschalldämmung: Zum Beispiel durch Teppiche (oder, wenn Sie das Parkett so belassen wollen, durch das Auflegen alter Teppiche. Bitten Sie Ihre Umzugshelfer auch, keine Holzclocs oder Cowboystiefel zum Umzug anzuziehen. Knallen Sie die Türen des Umzugsfahrzeugs nicht unnötig laut zu, rücken Sie die Möbel tagsüber an den richtigen Fleck – und warten Sie mit Bohren und Dübeln bis zum kommenden Montag- oder Samstagvormittag…

 

Viel Erfolg beim Umzug, und auf gute Nachbarschaft mit Ihren neuen Mitbewohnern oder Eigentümern der Nachbarhäuser!

 

Quelle der Fotos ist © panthermedia.net / SIphotography

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