Tipps rund um den Umzug

Möbel abbauen und in der neuen Wohnung wieder aufstellen

2. Januar 2018

Steht der Umzug kurz davor – und der Kleiderschrank eines schwedischen Einrichtungshauses lässt sich nicht am Stück transportieren? Oder das Bett und das Wohnzimmerregal? Würde auch viel zu viel Platz im Umzugstransporter beanspruchen, wäre viel zu schwer und sperrig. Hinzu kommt: Große Selbstbaumöbel können leicht zerbrechen, wenn Sie als Ganzes getragen werden. Denn oft entstehen dabei Hebelkräfte, die es im „stehenden Dauerbetrieb“ nicht gibt. Deshalb sollten alle Selbstbaumöbel – außer Kommödchen und ähnlich handlichen Kleinmöbeln –  vor dem Transport zerlegt werden. Vielleicht nicht ganz (das heißt die Schublade nochmals in ihre Einzelteile auseinanderbauen). Aber in sinnvolle Teile. Das sollte doch gelingen, schließlich haben Sie sie auch selbst aufgebaut oder? Falls nicht – unter Ihren Umzugshelfer finden sich bestimmt echte Inbus-Schlüssel-Profis, die mit den gängigen Selbstbaumöbeln Erfahrungen haben…

Einige Tipps und Anregungen finden Sie hier:

Ab- und Aufbauanleitung? Wer braucht denn so was?

Gehören Sie auch zu den geschätzten 90% der Deutschen, die Montageanleitungen entweder nicht benutzen, oder, wenn, sie nach dem Aufbau wegwerfen? Oder beim Umzug Jahre später einfach nicht wiederfinden? Keine Sorge. Häufig erklärt sich der spätere Wiederaufbau von selbst. Vorausgesetzt, dieselben Umzugshelfer, die auch die Demontage vorgenommen haben, bauen den Schrank oder das Regal auch wieder zusammen. Möglichst kurze Zeit später – dann ist die Erinnerung noch frisch! Falls es doch kompliziert wird. Machen Sie mit Ihrem Smartphone bei den einzelnen Abbauschritten viele Fotos. Notfalls helfen auch grobe Notizen. Zum Beispiel, wenn zwei Sorten Schrauben mit dem gleichen Gewinde dabei sind, die eine ähnliche Länge haben – aber auf keinen Fall verwechselt werden dürfen.

 

Sauber eingetütet erleichtert das Aufbauen

Ganz klar ist, dass die Schrauben, Federn, Muttern und andere Kleinteile alle zusammen in eine Tüte oder einen kleinen Karton kommen. Wenn Sie genug davon haben, geben Sie auch die Innensechskant- und andere Schlüssel hinzu, die meist bei jedem Möbelbausatz dabei sind. Nehmen Sie aber keine leichte Mülltüte oder gar einen Gelben Sack. Denn die reißen bei schweren Schrauben oder scharfkantigen Winkeln leicht – und das bevorzugt mitten im Treppenhaus oder auf dem Gehweg… Dann fehlt nachher die Hälfte!

Die Tüte oder der Karton wird sauber beschriftet

Auf keinen Fall darf der Inhalt mit den Kleinteilen anderer Möbel vermischt werden! Dann wird er so verpackt und mit dem Umzugswagen transportiert, dass Sie die Schrauben & Co. beim Aufbauen sofort wiederfinden. Wenn es sich um viele Teile oder auch leicht verwechselbare Elemente handelt, sollten sie innerhalb der Tüte oder des Kartons nochmal in einzelne Tüten (oder alte Briefkuverts) verpackt und separat beschriftet werden.

Noch ein Wort zum Werkzeug

Wenn Sie nur noch einen einzigen der berühmten „Inbus“-/Innensechskantschlüssel haben, gehört dieser nicht in das Schraubentütchen. Sondern in Ihren Werkzeugkasten. Denn vielleicht brauchen Sie ihn ja für mehrere Möbelmontagen, und nicht nur für das Aufbauen des gerade Verpackten. Dasselbe gilt natürlich für beim Umziehen und Möbelaufbauen unerlässliches Standardwerkzeug wie Kreuzschlitzschraubendreher und so weiter.

Möbel sicher und in der richtigen Reihenfolge auseinanderbauen

Bei großen Schränken wird meist damit begonnen, die Türen abzunehmen. Dazu brauchen Sie einen Helfer: Einer hält die Tür, damit Sie beim Lösen eines Scharniers nicht umfällt und beschädigt wird. Der andere löst die Schrauben am Scharnier. Es empfiehlt sich, die Scharniere an der Tür zu lassen, und von der Scharnierbasis am Schrank zu lösen. Bitte verwechseln Sie die aufzudrehenden Schrauben nicht mit den Justierschrauben des Scharniers. Denn wenn Sie den Schrank genauso wiederaufbauen, können Sie die Türen vielleicht einfach wieder montieren, ohne mit den Justierschrauben mühsam die richtige Stellung/Spaltbreite einzustellen. Danach wird vorsichtig die Rückwand (die oft von hinten an die Seitenteile genagelt oder getackert ist) gelöst. Tragen Sie Arbeitshandschuhe und entfernen Sie alle Nägel oder Tackernadeln. Damit sich keiner verletzt und damit keine danebenliegenden Teile zerkratzt werden.

Lose Teile herausnehmen

Nehmen Sie dann eventuelle Schubladen, Kleiderstangen und alle Regalböden aus dem Schrank (beziehungsweise Lattenroste bei Betten). Das Entfernen loser Teile lohnt sich übrigens auch bei mittelgroßen oder kleinen Möbeln, die Sie als Ganzes tragen möchten: Denn es reduziert deren Gewicht und verhindert, dass die Schubladen oder Regalbretter beim Tragen herumschlagen oder herausrutschen.

Entfernen Sie hervorstehende Teile

Das ist besonders wichtig, wenn diese ein Beschädigungs- oder Verletzungsrisiko darstellen oder beim Tragen abfallen könnten. Wie zum Beispiel die oft nur eingesteckten Halterungen von Regalböden. Die Schubladenschienen können meist an der Schrankwand angeschraubt bleiben.

Nehmen Sie bei Schränken zuerst das „Dach“ ab…

… während zwei Helfer die Seitenteile halten. Achten Sie auch darauf, dass dabei die zylinderförmigen „Möbel-Muttern“, die den Möbelschrauben oder Bolzen Halt geben, aus ihren Löchern fallen können. Fangen Sie sie beim Lösen der Schrauben mit der Hand auf und sorgen Sie dafür, dass alle in das „Tütchen“ kommen. Vielleicht kann Ihnen noch ein weiterer Helfer zur Hand gehen, der Ihnen die Kleinteile abnimmt. Wenn die Möbelplatten zusätzlich mit Holzzapfen verbunden sind, ziehen Sie diese vorsichtig und gerade auseinander.

Sonst brechen die Zapfen schnell!

Hoffentlich hat sie keiner beim Aufbauen verleimt. Bevor Sie zwei Teile voneinander lösen, vergewissern Sie sich bitte immer, dass alle Verbindungen lose sind. Wenn noch eine einzige Schraube oder ein Befestigungsbolzen mit dem Gegenstück verbunden ist, reißen diese beim Auseinanderziehen der Möbelteile leicht aus den Spanplatten heraus. Ausgerissene Löcher erschweren dann im schlimmsten Fall den sicheren und ansehnlichen Wiederaufbau.

Zerlegen Sie dann vorsichtig die Seitenwände des bereits von Rückwand und Türen befreiten Schranks

Sobald die Rückwand abgenommen wurde, muss jemand den Schrank halten – damit er sich wegen fehlender Stabilität wie ein „Salmi“ zusammenfaltet. Dann würden die Eckverbindungen ausreißen, was fast einem Totalschaden gleichkommt.

Bitte achten Sie auch darauf, nicht auf den Schrankboden zu treten

Die Spanplatten halten oft nicht das Gewicht eines Menschen aus. Außerdem zerkratzt die Oberfläche. Ähnlich vorsichtig wie den Schrank zerlegen Sie andere große Möbelstücke wie Betten, große Wandregale oder schwere Tische.

Gut verpacken

Nun werden die Teile mit Luftpolsterfolie oder alten Bettlaken verpackt. Besonders empfindliche Teile wie Spiegeltüren und hochwertige Holzoberflächen und Furniere müssen stoß- und kratzsicher eingepackt werden. Prüfen Sie vorher nochmal, ob eine Schraube, ein Zapfen oder anderes hervorsteht, der ein anderes Teil zerkratzen könnte! Damit wirklich alle Teile beisammenbleiben, können Sie sie beschriften. Zum Beispiel mit dem wasserfesten Filzstift auf der Verpackungsfolie: „WoZi-Schrank Teil 1 von 9“, „… 2 von 9“ und so weiter.

Sorgfältig lagern und transportieren

Bevor Sie und Ihre Umzugshelfer die Teile in das Fahrzeug tragen, lehnen Sie sie vorsichtig an die Wand. Nicht zu steil, damit Sie nicht umfallen. Und auch nicht zu schräg, damit Sie nicht durchhängen oder brechen. Achten Sie dabei und beim späteren Verladen in den Umzugstransporter darauf, dass immer Vorderseiten gegen Vorderseiten sowie Rückseiten gegen Rückseiten stehen. Das minimiert das Risiko, unschöne Kratzer zu verursachen, nochmals.

 

Was ist mit Antiquitäten aus schwerer „Eiche rustikal“ und ähnlichem?

IKEA, Roller, POCO, Möbel Höffner, Kraft, Dodenhof, XXL Lutz & Co. gibt es ja noch nicht so lange. Omas Möbel wurden oft von Tischlern oder Kleinfabriken gebaut. Und über Generationen im selben (Bauern-)Haus genutzt. Das heißt, ein häufiger Transport war nicht vorgesehen, oder wenn, dann nur durch kräftige Möbelpacker und Fachleute. Entsprechend sind große Möbel aus massivem Holz oft schwer und kaum zerlegbar. Die wenigen mobilen Teile, zum Beispiel Einlegeböden oder Türen, könnten Sie abnehmen. Falls das bei den Türen (oder Schubladen) nicht möglich ist, sichern Sie sie mit Gurten vorsichtig gegen Herausrutschen während des Transportes. Dabei aber bitte kein Klebeband auf empfindliche Holz- oder Lackoberflächen kleben? Die könnten beim Ablösen des Bandes beschädigt werden!

Prüfen Sie vorsichtig, ob das gesamte Möbel vielleicht doch zerlegt werden kann

Häufig sind zum Beispiel die Oberteile von alten Küchenschränken oder Anrichten nur mit Zapfen auf das Unterteil gesteckt. Ebenso haben Tischlermeister schon vor hundert und mehr Jahren Tische gebaut, bei denen die schweren Beine einfach abgedreht werden können. Die Platten von Ausziehtischen lassen sich meist ebenfalls dank ausgeklügelter Konstruktion ohne Werkzeug abnehmen. Wenn das gute Stück danach immer noch ein bis zwei Zentner wiegt… Dann nehmen Sie bitte auf jeden Fall ausreichend Umzugshelfer zur Hilfe!

Der gelungene Wiederaufbau

Überprüfen Sie alle Schraubverbindungen. Bei preisgünstigen Selbstbaumöbeln können diese schon nach ein oder zwei Montagen und Demontagen „ausgeleiert“ sein. Gehen Sie beim Aufbauen grundsätzlich in umgekehrter Reihenfolge wie beim Abbau vor. Dafür benötigen Sie in etwa so viele helfende Hände wie beim Abbau! Achten Sie darauf, dass die Möbelmutterstücke mit dem Schraubendreher in die richtige Position gebracht werden. Dann fasst das Gewinde der Schraube oder der Bolzen richtig. Ziehen Sie alle Schrauben nach einigen Wochen nach.

Sichern Sie hohe Möbel mit einem Winkel an der Wand gegen das gefährliche Umfallen

Das ist auch bei scheinbar sicher stehenden Einrichtungsstücken schnell passiert, falls plötzlich starke Hebelkräfte wirken: Wenn sich zum Beispiel kleine Kinder an der offenstehenden Tür hochziehen. Oder wenn jemand alle vollgepackten Schubladen aufzieht!

Der Winkel muss fest mit dem Möbelstück verbunden sein

Das erreichen Sie zum Beispiel mit zwei „Spaxschrauben“, die in die Oberseite des Schranks getrieben werden, dort, wo es keiner sieht. Bohren Sie gegebenenfalls etwas vor (aber mit einem Holzbohrer, der deutlich „dünner“ als die Schrauben ist, damit sie noch genügend Halt finden).

Messen Sie vorher die Länge der Schrauben nach

Damit sich ihre Spitzen nicht auf der anderen, sichtbaren Seite der Schrankdecke hindurchbohren. Auch die Verbindung des Winkels mit der Wand muss belastbar sein. Prüfen Sie insbesondere bei Leichtbau- und Innenwänden, ob die Dübel den Winkel sicher an der Wand halten. Falls nicht, empfehlen sich Spezialdübel (zum Beispiel für Rigipsplatten) oder eine die Wand stärkende Unterkonstruktion. Im Zweifel immer einen zweiten Winkel anbringen! Sicher ist sicher!

Nun wünschen wir Ihnen gutes Gelingen …

… dass alles sauber zerlegt sowie stabil und schön wiederaufgebaut wird!

 

Quelle der Fotos ist:

© panthermedia.net / Lev Dolgachov (1) ;

© panthermedia.net / vadimphoto1@gmail.com (2)

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